Servicewissen im Anlagenkontext: Use Case WashTec

Eine Waschanlage steht still, weil kein Wasser durchfließt. In myWashTec.com, der Digitalplattform von WashTec, ist das sofort zu sehen: welche Anlage, welcher Standort, welche Fehlermeldung. Die nächste Frage ist allerdings keine Datenfrage mehr, sondern eine Wissensfrage: Was kann die Ursache sein, und was ist zu tun? Bei WashTec steht die Antwort dort, wo die Meldung erscheint. Auf der Maschinenseite lassen sich mögliche Ursachen geführt eingrenzen; weiterführende Informationen liegen im Wissensportal.

Das ist kein Detail der Benutzeroberfläche. WashTec ist gemeinsam mit T3 von Anfang an mit Smart Content Delivery gestartet, also der modularen Bereitstellung von Produkt- und Serviceinformationen. Schon der Projektstand 2023 zeigt die Integration in myWashTec.com; seitdem wurde die Lösung um weitere Inhalte und Nutzungen ausgebaut. Dieser Beitrag zeigt, welche fachlichen und technischen Entscheidungen dahinterstehen.

Betriebsdaten allein lösen keinen Servicefall

Über myWashTec.com macht WashTec die Betriebsdaten von weltweit rund 16.000 Waschanlagen verfügbar und setzt darauf Smart-Remote-Service-Konzepte und digitale Services um. Die Plattform bündelt Echtzeitdaten von Maschinen und Komponenten, Standort- und Vertragsdaten aus dem ERP-System sowie Technische Informationen und Wissensartikel. Service, Helpdesk, Vertrieb und die Betreiber der Anlagen arbeiten damit, jeweils mit unterschiedlichen Rechten.

Für Verantwortliche von Digital Solutions und Service liegt hier die eigentliche Aufgabe, ob die Daten in einer Plattform, einem Cockpit, der Steuerung oder der Maschinensoftware ankommen. Die Daten zeigen, was an der Anlage passiert. Was zu tun ist, steht in der Technischen Dokumentation und im Servicewissen. Muss jemand dafür in ein anderes System oder ein separates Portal wechseln, beginnt die Suche genau in dem Moment, in dem eine Antwort gebraucht wird.

Warum ein Link zum Dokument nicht reicht

Ein verbreiteter Ansatz ist, ganze Dokumente in der Anwendung zu verlinken oder auszuspielen. Damit ist das Handbuch erreichbar; welcher Abschnitt zu welcher Fehlermeldung, zu welchem Modul oder zu welchem Parameter gehört, ist dadurch noch nicht zugeordnet. Dafür braucht es eindeutige Zuordnungen zwischen Inhalten und Anwendungsobjekten sowie modellierte Beziehungen – auch wenn unterschiedliche Bezeichnungen oder Synonyme verwendet werden.

WashTec setzte von Anfang an auf modularen Smart Content. Den gemeinsamen fachlichen Bezug zwischen Quellen und Plattform schafft ein Knowledge Graph. Er ist das gemeinsame semantische Modell, auf das sich Quellen und Nutzung beziehen:

  • Quellseitig führt er strukturierte Inhalte, Dokumente und Daten zusammen. Smart Content aus dem Redaktionssystem SCHEMA ST4, Dokumente aus weiteren Quellsystemen und Daten aus weiteren Datenquellen werden über Klassifikation, Metadaten und Taxonomien einem gemeinsamen Produkt- und Anlagenkontext zugeordnet.
  • Nutzungsseitig verbindet er diese Inhalte mit den Objekten, mit denen die Plattform arbeitet: Anlage, Modul, Parameter und Fehlermeldung. Die Bereitstellung erfolgt rollen- und rechtebasiert; die Zugriffsrechte werden nicht allein durch diese semantische Zuordnung geregelt.

Damit ist der Knowledge Graph der zentrale Enabler der Integration. Bereitgestellt wird das verknüpfte Wissen über einen Knowledge Hub: Die Wissensplattform Empolis Industrial Knowledge integriert die Inhalte und stellt sie als AI-ready Wissensbasis bereit, in myWashTec.com ebenso wie im eigenständigen Wissensportal. Die Systemintegration bindet die Quellen an und macht die zugeordneten Inhalte in der Anwendung nutzbar.

Was das in der Plattform konkret verändert

Der Unterschied zeigt sich bei WashTec an drei Stellen:

  • Troubleshooting auf der Maschinenseite: Zur Fehlermeldung erscheinen Beschreibungen von Problem, möglichen Ursachen und Lösungen direkt dort, wo der Service den Zustand der Anlage sieht. Sie unterstützen die geführte Eingrenzung; Zusatzinformationen liegen im Wissensportal.
  • Remote-Parametrierung mit Smart Content: Eine Anlage hat hunderte Parameter, mit Abhängigkeiten und Wechselwirkungen. Ändert der Helpdesk Einstellungen aus der Ferne, steht die passende Beschreibung direkt beim jeweiligen Parameter. Modul- und Parameterbezeichnungen samt Beschreibungen werden dynamisch aus der Wissensplattform in myWashTec.com übernommen. Die Inhalte stammen aus derselben redundanzfreien Quelle, aus der auch die PDF-Dokumentation entsteht. Damit wird die Beschreibung Teil des Arbeitskontexts, statt nur über einen Dokumentlink erreichbar zu sein.
  • Single Point of Access: Über eine Sidebar mit kontextualisierter Suche gelangen Nutzende aus dem Anlagenkontext zu weiterführenden Inhalten der angebundenen Quellen.

Auf derselben Grundlage hat WashTec das Wissensportal für Vertrieb und Vertriebspartner ausgebaut. Vertriebsinformationen werden dort nicht mehr in Ordnerstrukturen gesucht, sondern über Filter gefunden. Modell, Plattform und geeignete Inhalte lassen sich wiederverwenden und um zielgruppenspezifische Vertriebs- und Marketinginhalte ergänzen. Bereitgestellt werden sie rollen- und rechtebasiert aus einer gemeinsamen Basis. Die Lessons Learned aus diesem Schritt bringen den nötigen Perspektivwechsel auf den Punkt: weg vom Ordner, hin zum Filter.

Die Entscheidungen hinter dem Projekt

Am Parameterbeispiel wird die fachliche Entscheidung sichtbar: Inhalte müssen den Objekten der Anwendung zugeordnet sein, nicht nur als Dokument vorliegen. Das gemeinsame Wissensmodell stellt diesen Bezug her; Smart Content und Systemintegration machen ihn nutzbar. Dafür wurden mehrere Grundlagen geschaffen:

  • Ein gemeinsames Vokabular: harmonisierte Terminologie einschließlich Sprachvarianten und Synonymen, übergreifende Taxonomien und Metadatenkonzepte, und zwar über Technik- und Marketingdomäne hinweg. Sie bilden die Grundlage des Wissensmodells im Knowledge Graph.
  • Modulare, klassifizierte Inhalte: Die Redaktion arbeitet in SCHEMA ST4 redundanzfrei und nach dem Single-Source-Prinzip für PDF und Smart Content. Mit Projektstand 2023 lagen 90 % der Inhalte als modularer Smart Content vor. Inzwischen entsteht der Smart Content im iiRDS-Format.
  • Automatisierte Informationsketten: Von der Erstellung im Redaktionssystem über die Wissensplattform bis zur Nutzung in myWashTec.com laufen die Informationen automatisiert. Die Zugriffsrechte steuert die zentrale Identitäts- und Zugriffsverwaltung.
  • Zusammenarbeit: Technische Redaktion, Service und die Verantwortlichen für digitale Produktdaten arbeiten enger zusammen, auf Basis desselben Modells.

Der Mehrwert entsteht in der Verknüpfung

WashTec kann dasselbe Servicewissen für mehrere digitale Services nutzen, statt neue Wissensbestände aufzubauen. Assistenten, Apps und Wissensportal greifen auf den bereits eingesetzten Knowledge Hub als AI-ready Knowledge Base zu. Der Knowledge Graph stellt den gemeinsamen fachlichen Bezug zwischen Inhalten, Daten und Anwendungsobjekten her.

Weitere Anwendungen auf derselben Basis

  • Vertrauenswürdige Antworten mit Empolis Buddy: Der GenAI-Assistent wird derzeit im Service eingeführt; Zielbild ist der Einsatz bei allen Betreibern. Der Knowledge Graph stellt den Bezug zu Anlage, Modul und Parameter her. Zusammen mit geprüften Inhalten ermöglicht das vertrauenswürdige Antworten im passenden fachlichen Kontext.
  • Industrial Knowledge Graph für Business Insights und Analytics: WashTec plant den Wissensgraphen zusätzlich in Verbindung mit der Remote-Plattform zu nutzen – darüber hinaus wird evaluiert, ihn ebenfalls in die konzernweite KI- und Datenstrategie zu verankern.
  • Grundlage für KI-Agenten: Dieselbe Wissensbasis kann auch Agenten mit fachlichem Kontext versorgen.

Die Verknüpfung von Daten und Servicewissen ist nicht auf eine Plattform beschränkt. Sie lässt sich ebenso in Cockpits, Steuerungen, Maschinensoftware oder Predictive-Maintenance-Szenarien nutzen.

Dokumentation und Daten gemeinsam weiterentwickeln

Für die Technische Dokumentation wird der Rollenwechsel konkret. Sie gestaltet die Datenstrukturen und Modelle mit, an die Service und Anwendungen anschließen. Ihre Inhalte wirken über die Publikation hinaus direkt im Serviceprozess.

Für die weitere Vernetzung von Redaktion, Serviceplattform, ERP und PIM muss das gemeinsame Modell auch die zusätzlichen Quellen einordnen können. Anschlussfähige Datenstrukturen, automatisierte Datenbereinigung und rechtssichere Wissensbereitstellung sind dabei zentrale Entwicklungsaufgaben.

Was T3 bei WashTec umgesetzt hat

T3 ist bei WashTec Lösungs- und Implementierungspartner. Gemeinsam mit WashTec hat T3 die Lösung von der Projektvision bis zum Rollout umgesetzt und baut sie seitdem um weitere Use Cases, Quellen und Zielgruppen aus. Die Systeme stammen von den Technologiepartnern Quanos (SCHEMA ST4) und Empolis (Empolis Industrial Knowledge). T3 hat sie eingeführt, fachlich ausgestaltet und mit myWashTec.com verbunden:

  • Beratung: gemeinsame Projektvision, Use Cases und ein Vorgehen vom Proof of Concept über die Beta-Phase bis zum Rollout
  • Knowledge Engineering: Metadatenmodell, Klassifikationskonzept sowie Taxonomie- und Wissensmodell als Grundlage des Knowledge Graph
  • Information Management: Klassifikation und Migration der Inhalte, einschließlich der automatischen Klassifikation von PDF-Dokumenten
  • Systemintegration: Einführung von SCHEMA ST4 und Empolis Industrial Knowledge, API-Entwicklung gegen die SaaS-Plattform und automatisierte Informationsketten

Für WashTec liegen Modell, Inhalte und Integration damit in einer durchgängigen Lösung. Erweitert wird sie so, wie es die Lessons Learned aus dem Projekt beschreiben: immer vom Use Case und vom Anwender ausgehend.

Vortrag auf der tekom-Jahrestagung 2026

Am 10. November berichten Carsten Klees und Cornelia Mockwitz aus dem Projekt. Der Vortrag zeigt,

  • welche Klassifikations- und Metadatenmodelle die Grundlage bilden,
  • wie Content Delivery und Digitalplattform integriert wurden,
  • wie Technische Redaktion, Service und die Verantwortlichen für digitale Produktdaten enger zusammenarbeiten, einschließlich der Umstellung auf iiRDS und des Wechsels in SCHEMA ST4 im laufenden Betrieb,
  • welche Kompetenzen, Datenmodelle und Systemarchitekturen dafür erforderlich sind.

Dazu kommen Beispiele aus myWashTec.com und dem Wissensportal: Troubleshooting, Parametrierung, Single Point of Access, das Wissensportal für den Vertrieb und ein Ausblick auf Empolis Buddy.

„Dokumentation trifft Digitalplattform: WashTec‘s Weg vom Content Delivery zum integrierten Servicewissen“

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Carsten Klees
VP Digital Solutions, WashTec Cleaning Technology GmbH

Carsten Klees, Maschinenbauingenieur und MBA, ist Vice President Digital Solutions bei WashTec Cleaning Technology. Er verantwortet Software Development, Data Analytics und Cloud Development und treibt die Digitalisierung von Service und Technischer Dokumentation voran. Mit seinem Team entwickelt er mywashtec.com zu einer Plattform, die Anlagen, Daten, Prozesse und Informationen intelligent verknüpft – als Basis für neue digitale Services, bessere Nutzererfahrungen, effizientere Serviceprozesse und den praxisnahen Einsatz von KI. Zuvor war er unter anderem für den Aufbau der Technical Communication bei AIDA Europe verantwortlich.

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Cornelia Mockwitz
Founder & CEO bei T3 GmbH

Als Gründerin & CEO von T3 ist Cornelia Mockwitz eine profilierte Vordenkerin für Industrial Knowledge & Information Management im Maschinen- und Anlagenbau. Sie zählt zu den Pionierinnen der Digitalisierung in der Technischen Kommunikation und begleitet Unternehmen dabei, Technische Dokumentation, Produktdaten und Wissensmanagement zu vernetzen. Ihr Fokus liegt auf Wissensinfrastrukturen, die Produktwissen im Arbeitskontext für Menschen, Maschinen und Systeme nutzbar machen – auf Basis semantischer Verfahren, Knowledge Graphs und KI.

Sprechen Sie mit T3 über Ihr Servicewissen

Sie machen Maschinendaten digital verfügbar – in einer Plattform, einem Cockpit oder der Maschinensoftware – und möchten das passende Servicewissen dort bereitstellen, wo Ihre Teams und Kunden arbeiten? Im Gespräch klären wir, wie weit Ihre Inhalte bereits als Smart Content vorliegen, welche Metadaten und Objekte Inhalte und Anwendung verbinden können, wie ein Wissensmodell im Knowledge Graph dafür aussehen kann und wo ein überschaubarer erster Anwendungsfall ansetzt.

Oder buchen Sie direkt einen Termin mit einem unserer Experten:

T3 bringt technisches Wissen in den Arbeitsprozess – vernetzt, strukturiert und KI-basiert. Als Lösungsanbieter für Industrial Knowledge & Information Management im Maschinen- und Anlagenbau baut T3 produktiv nutzbare Wissensinfrastrukturen für konkrete industrielle Anwendungsfälle.

Über WashTec

WashTec mit Sitz in Augsburg ist ein weltweit führender Anbieter von Lösungen für die Fahrzeugwäsche. Das Unternehmen verbindet mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Waschtechnik mit vernetzten Anlagen und digitalen Services. WashTec-Anlagen sind in mehr als 80 Ländern im Einsatz. Das Portfolio umfasst Portalwaschanlagen, Waschstraßen und SB-Waschsysteme, ergänzt um Waschchemie, Wasserrückgewinnung und Serviceleistungen.

Mit der Digitalplattform myWashTec.com können Betreiber Betriebs- und Verbrauchsdaten auswerten, Anlagen aus der Ferne steuern und Remote-Services nutzen. WashTec verbindet damit Maschinenbaukompetenz, digitales Anlagenmanagement und Service – mit dem Ziel, den Betrieb wirtschaftlicher und ressourcenschonender zu gestalten.

Über T3

T3 bringt technisches Wissen in den Arbeitsprozess – vernetzt, strukturiert und KI-basiert. Als Lösungsanbieter für Industrial Knowledge & Information Management im Maschinenbau baut T3 Wissensinfrastrukturen, die Technische Dokumentation, Produktdaten und Wissensmanagement ganzheitlich verbinden, Informationen kontextbezogen bereitstellen, Expertenwissen sichern und KI im industriellen Alltag nutzbar machen – für Menschen, Maschinen und Prozesse.

Industrial Knowledge. Engineered by T3.

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